Freundeskreis der

Artillerietruppe e.V.

pzh2000Die Panzerhaubitze 2000 (kurz PzH 2000) ist ein selbstfahrendes, gepanzertes Artilleriegeschütz, das von den deutschen Unternehmen Krauss-Maffei Wegmann und Rheinmetall produziert wird. Sie ist das Standardgeschütz der Brigade-Panzerartilleriebataillone der Bundeswehr und ersetzte dort die Panzerhaubitze M109.

Die Bundeswehr erhielt in den Jahren 1998 bis 2003 insgesamt 185 Stück; weitere PzH 2000 wurden an verschiedene europäische NATO-Mitgliedsstaaten geliefert. Gegenüber ihrer Vorgängerin ist die PzH 2000 bei fast identischem Leistungsgewicht in effektive Reichweite des Geschützes, Zielgenauigkeit, Schussfolge, Panzerschutz, eigenständige Operationsfähigkeit sowie Reichweite des Fahrzeugs, Geschwindigkeit und Fahrkomfort stark verbessert.

Entwicklung

Mitte der 1970er-Jahre zeigte sich, dass die vorhandenen Artilleriesysteme in der NATO in Bezug auf Mobilität, Schussweite, Feuergeschwindigkeit und Schutz nicht mehr den gestiegenen Anforderungen auf dem Gefechtsfeld entsprachen.

Darauf bauten Deutschland, Italien und Großbritannien die gemeinsam entwickelte Feldhaubitze FH-155, mit der es gelang, die Anzahl der unterschiedlichen Typen von Geschützen zu reduzieren und dadurch die Kampfkraft der Artillerie zu stärken. Ein weiterer Vorteil dieser Maßnahme war die Reduzierung des logistischen Aufwands.

1973 unterzeichneten die drei Staaten eine Regierungserklärung mit dem Ziel, ein neues Waffensystem zu entwickeln mit den ballistischen Eigenschaften der FH-155 und dem Mobilitäts- und Schutzniveau des Kampfpanzers Leopard 1. Technische Probleme verlangsamten jedoch 1986 das Programm PzH 155-1 beziehungsweise Panzerhaubitze 70 gravierend, die daraus resultierenden Verzögerungen führten zur Einstellung des Programms.

Nach dem gescheiterten Versuch entwickelte Großbritannien die AS-90. In Deutschland wurde im November 1987 mit der Neuentwicklung begonnen. Im Auftrag des Bundesministeriums der Verteidigung schrieb das Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung einen Versuchsträger aus, um die bestehenden Systeme der Artillerie abzulösen. Neu an diesem Auswahlverfahren war die Zusammenarbeit der Rüstungsfirmen, der Wehrtechnischen Dienststellen (WTD) und der Truppe. Das bis dahin bestehende System der strikten Trennung wurde aufgegeben. Die neuen Richtlinien zur „Entwicklung und Beschaffung von Wehrmaterial“ (EBMAT) bestimmten den Verlauf der Entwicklung.

In Konkurrenz standen die Konsortien Süd: Krauss-Maffei/Porsche/KUKA und Nord: Wegmann/MaK, die jeweils einen Versuchsträger bauten. Beide Systeme legten ihren Schwerpunkt auf den Munitionsfluss innerhalb des Fahrzeugs, die Fahrwerke basierten auf eingeführten Fahrzeugen. Die Waffenanlage wurde von Rheinmetall gestellt. So baute die Gruppe Süd auf ein Sechs-Rollen-Laufwerk aus Komponenten des Leopard 2, die Gruppe Nord setzte auf sieben Laufrollen und nutzte die Technik des Leopard 1. Als Antrieb für beide Versuchsträger diente ein Triebwerk der Baureihe 881 von MTU Friedrichshafen und ein Schalt-Lenk-Getriebe der Baureihe 284 von Renk. Während der Entwicklungsphase und der Vergleichsuntersuchungen konnten die Wehrtechnischen Dienststellen und die Truppe aktiv mitwirken und erprobten so Funktionsmodelle, unterstützten die Rüstungsunternehmen beim Ermitteln von Daten und konnten notwendige Anpassungen frühzeitig umsetzen.

Im Wettbewerb konnte der Prototyp „Taurus“ der Südgruppe von seiner Überlegenheit überzeugen. Letztendlich waren es jedoch der Turm und der bessere Munitionsfluss, die dazu führten, dass der Arbeitsgruppe Nord der Auftrag für vier Prototypen erteilt wurde. Als Generalunternehmer diente Wegmann & Co. Zwischen 1991 und 1993 wurden vier baugleiche Prototypen (PT01 bis PT04) gebaut. Die Fahrgestelle entstanden bei MaK, die Türme bei Wegmann, wo auch die Inbetriebnahme erfolgte. Ab September 1993 wurde der PT02 in der Wehrtechnischen Dienststelle 41 für Fahrversuche genutzt und auf Grabenüberschreitfähigkeit, Kletterfähigkeit, Schwingungsbelastung, Fahrdynamik und Laufleistung getestet. Die WTD 91 in Meppen unternahm mit dem PT01 Schießerprobungen, die für Informationstechnologie und Elektronik zuständige WTD 81 überprüfte die Navigationsanlage.

Von November 1994 bis März 1995 unterzogen die Artillerieschule und das bis 2002 bestehende Panzerartillerielehrbataillon 95 PT01 und PT02 einem Truppenversuch. Im Mittelpunkt der Erprobungen stand die Führbarkeit durch das Artillerieführungssystem ADLER sowie die Erfüllbarkeit der Forderungen von 3 Schuss in 10 Sekunden und 20 Schuss in 3 Minuten. Insgesamt wurden 2018 Granaten verschossen. Nach erfolgreichen Tests wurden die beiden Prototypen von April 1995 bis Oktober 1995 an der Technischen Schule des Heeres und Fachschule des Heeres für Technik für logistische Versuche genutzt, die unter anderem dazu dienten, technische Dienstvorschriften, Prüfwerkzeuge und Sonderwerkzeuge zu entwerfen sowie die technische Versorgungsreife mit Ersatzteilen herzustellen. Parallel zu den Versuchen dienten PT03 und PT04 von 1994 bis 1995 zur Klimaerprobung in Kanada (Truppenübungsplatz Shilo) und in den USA (Yuma, Arizona).

Die Einführungsgenehmigung für die Bundeswehr wurde 1996 erteilt und die ersten von geplanten 185 seriengefertigten Panzerhaubitzen 2000 wurden 1998 an das PzArtLehrBtl 345 in Kusel ausgeliefert. Als Generalunternehmen fungierte Krauss-Maffei – die heutige Krauss-Maffei Wegmann. Das Auftragsvolumen betrug damals 1,7 Milliarden DM. Die MaK Systemgesellschaft ist seit 1990 ein Tochterunternehmen von Rheinmetall und gehört zu Rheinmetall Landsysteme.

Bei der Namensgebung wollte die Bundeswehr dem traditionellen Vorgehen mit der Vergabe eines Tiernamens folgen. Zur Debatte standen unter anderem der Name eines der Versuchsträger, Taurus, sowie Rhinozeros, Stier, Nashorn und kuriose Vorschläge wie Rüssel. Da jedoch über die Vergabe eines Namens keine Einigung erzielt werden konnte, wurde die Werksbezeichnung Panzerhaubitze 2000 gewählt.

Besatzung

Die Besatzung der PzH 2000 besteht aus fünf Soldaten, ist aber auch mit nur drei Soldaten voll kampffähig. Der Kraftfahrer, der Geschützführer und der Munitionskanonier 1 müssen auf jeden Fall vorhanden sein, der Richtkanonier und der Munitionskanonier 2 üben ihre Aufgaben nur beim Ausfall automatischer Systeme aus. Der Geschützführer (GF) ist der Kommandant des Geschützes. Er überwacht die Kommunikation, die Tätigkeiten des Munitionskanoniers 2 (MK2) und feuert das Geschütz ab. Sein Platz befindet sich hinten rechts im Turm. Der Richtkanonier (RK) überwacht im Normalbetrieb die Waffenanlage und ist stellvertretender Geschützführer. Er kann bei Bedarf, besonders im direkten Richten bei Selbstverteidigung, die Waffenanlage manuell richten und ist zusammen mit dem MK2 für das Beladen zuständig. Der Munitionskanonier 1 (MK1) überwacht und bedient das pneumatische System und sichert während des Marsches aus seiner Luke mit dem Fliegerabwehr-MG. Der Munitionskanonier 2 (MK2) überwacht und bedient die Ladeautomatik und übernimmt deren Tätigkeit bei Ausfall. Der Fahrer (MKF) fährt das Geschütz und überwacht das Triebwerk. Weitere Aufgaben sind Wartungsarbeiten (Technischer Dienst) an der Wanne und Betrieb des Stromerzeugungsaggregates. Die Besatzung kann das Fahrzeug über eine zweiteilige Luke im Wannenheck betreten und verlassen, dem Fahrer steht eine eigene Luke zur Verfügung.[1]

Technik

Schutzeinrichtung

Turm und Wanne des Fahrzeugs sind aus geschweißtem Panzerstahl gefertigt. Dieser schützt sowohl die Besatzung als auch die in der Wanne gelagerte Munition. Die Innenseite des Fahrzeugs wurde mit einem sogenannten Spall Liner ausgekleidet, um Splitter der Panzerung aufzufangen, die sich bei Beschuss im Inneren des Fahrzeugs ablösen. Die Panzerung selbst schützt gegen Beschuss aus Waffen bis zum Kaliber 14,5 mm und Splitter von 152-mm-Artilleriegeschossen.[2] Die Oberseite der Wanne und des Turms kann mit der aus 75 Panzerungselementen bestehenden „Igelpanzerung“ zum Schutz vor Bomblets ausgestattet werden. Die 48 Treibladungsschächte des Treibladungsmagazins sind durch drei Schiebetüren vom Kampfraum getrennt, um bei einer Explosion der Ladungen die Besatzung nicht zu gefährden. Zudem sind zwei Austrittsöffnungen im Turmdach vorhanden, die den bei einer Explosion entstehenden Druck nach außen ableiten sollen.[3] Eine ABC-Schutzanlage im rechten hinteren Teil der Fahrzeugwanne ergänzt die Schutzausstattung.

Bewaffnung und Munition

Die Bewaffnung besteht aus dem innenverchromten und lasergehärteten 155-mm-Vielzugrohr L/52 (60 Züge, Rechtsdrall) mit 52 Kaliberlängen. Gefertigt nach dem Joint Ballistics Memorandum of Understanding (Ballistikabkommen) können alle Arten von NATO-Munition verschossen werden.

Erstmals wurde eine 12-Kammer-Schlitzmündungsbremse genutzt, wie sie ansonsten nur bei den Fahrzeugen der Streitkräfte des Warschauer Paktes eingesetzt wurde. Der Rauchabsauger komplettiert das Rohr. Eine Ladeautomatik führt dem Geschütz Geschosse zu, modulare Treibladungen legt ein Bediener ein. Die Treibladungsanzünder werden automatisch durch ein Magazin im Verschlussblock zugeführt. Das Magazin hat eine Kapazität von 32 Anzündern.[4] Mit dieser Anlage werden kurze Feuerschläge geschossen. Die Feuerrate beträgt drei Schuss in zehn Sekunden, zehn Schuss in einer Minute, 20 Schuss in zwei Minuten oder acht Schuss pro Minute für drei Minuten. Bei einem längeren Feuerauftrag wird die Feuerrate durch die thermische Belastung des Rohres auf knapp drei Schuss je Minute begrenzt.[5] Der gesamte Geschossvorrat kann ohne Unterbrechung verschossen werden, da die kritische Temperatur von 160 °C, bei der sich die Treibladungen selbst entzünden würden, nicht erreicht wird.[3]

Die maximale Reichweite der Waffenanlage beträgt 30 km mit Standardgeschossen und bis zu 40 km mit reichweitengesteigerten Geschossen. Das Richten und Schwenken geschieht elektrisch oder mechanisch von Hand. Der Höhenrichtbereich der Waffe beträgt –2,5° bis +65°. Beim Marsch wird das Rohr in einer automatischen Zurrgabel fixiert.

Die Haubitze ist in der Lage, im sogenannten MRSI-Verfahren (Multiple Rounds Simultaneous Impact) zu schießen. Dies bedeutet, dass das Geschütz bis zu sechs Schuss abgibt, die zeitgleich im Ziel einschlagen. Erreicht wird dieser Effekt durch unterschiedliche Erhöhungen des Rohres, die unterschiedliche Flugzeiten bewirken. Das Schießen beginnt in diesem Fall mit großer Rohrerhöhung und wird schrittweise auf eine niedrigere abgesenkt. Die Pausen zwischen den einzelnen Schüssen werden benötigt, um die modulare Treibladung einzulegen. Bei der Anwendung des MRSI-Verfahrens verringert sich die effektive Kampfentfernung, da die größte Reichweite nur durch einen bestimmten Winkel (45°) erreicht werden kann und so ein Verändern der Flugbahnen bei maximaler Kampfentfernung nicht möglich ist. Im Mai 1999 feuerte eine PzH 2000 fünf Geschosse über eine Entfernung von 17 km. Alle Geschosse schlugen in einem Zeitraum von 1,2 Sekunden auf.[6] Die Computerisierung vereinfacht ebenfalls das Schießen im Time-On-Target-Verfahren, bei dem jedes Geschoss von einem Geschütz der Feuerstellung zeitgleich das Ziel trifft.

Als Sekundärbewaffnung ist ein Maschinengewehr am Platz des Munitionskanoniers 1 montiert, das je nach Nutzerstaat variiert. Für den Selbstschutz ist eine Nebelmittelwurfanlage mit 2 × 4 Wurfbechern an der Turmfront neben der Waffenwiege montiert. Die Besatzung der Bundeswehr verfügt über Handwaffen vom Typ G36, MP2 und MG3 zur Selbstverteidigung. Das niederländische Heer nutzt das Maschinengewehr FN MAG und das Sturmgewehr Diemaco C7/C8. Für die Darstellung des Feuerkampfes bei Manövern ohne scharfen Schuss kann das KADAG-System (Kanonen-Abschuss-DArstellungs-Gerät) auf der Waffe installiert werden. Ausgerüstet mit Darstellungskörpern simuliert es den beim Abschuss der Hauptwaffe entstehenden Knall, Rauch und Blitz.

Munition und Munitionszufuhr
Die Kampfbeladung der PzH 2000 umfasst 60 Artilleriegeschosse im Kaliber 155 mm in unterschiedlicher, nach Auftrag variierender Sortierung. Die Munitionspalette umfasst Spreng-, Splitter-, Multispektral-Nebel-, Leucht-, Bomblet-, und SMArtgeschosse. Alle Munitionsarten können mit der Base-Bleed-Technologie kombiniert werden. Die Geschosse werden in einem sternförmigen Munitionsmagazin im vorderen Teil der Wanne senkrecht aufbewahrt und vom Computer ständig so sortiert, dass immer ein Geschoss jeder Sorte erreichbar ist. Das Munitionsmagazin kann innerhalb von zwölf Minuten von zwei Soldaten komplett aufgefüllt werden, wobei die Munitionssorte vom Bediener per Hand eingegeben werden muss, da keine Geschosserkennung vorhanden ist.

Der Lademechanismus besteht aus der unabhängig drehbaren Transportschiene (TS) unter der Turmbühne, dem Geschosstransporter (GT) im Magazin und dem Geschossübergabearm (GÜBA). Beim Ladevorgang aus dem Magazin greift der Geschosstransporter mit seinem Greifer das Geschoss, dreht es und übergibt es an die Transportschiene. In dieser werden, wenn benötigt, durch die Tempiereinrichtung Zeiteinstellungen und Ausstoßhöhe am Geschoss vorgenommen. Über den Geschossübergabearm gelangt das Geschoss in Ladeposition, wo es ein Pneumatikzylinder beschleunigt und in den Ladungsraum des Bodenstück einpresst (ansetzt). Der Druck, mit dem das Geschoss angesetzt wird, ist abhängig von der Rohrerhöhung, so dass bei jeder Rohrerhöhung eine gleiche Ansetztiefe des Geschosses erreicht wird. Das Laden der Treibladung geschieht per Hand. Eine Ringliderungseinrichtung dichtet die Kammer ab und verhindert das Austreten von Verbrennungsgasen in den Kampfraum. Während der Ladetätigkeit nimmt der GÜBA einen Großteil des verfügbaren Turmraumes ein.

Die Treibladungen werden in einem Magazin im Turmheck aufbewahrt. Die Kapazität beträgt 48 Beutel- beziehungsweise Stangentreibladungen oder 288 Treibladungsmodule und zwei weitere Treibladungsanzündermagazine.[7][6] Wird aus festen Feuerstellungen geschossen, kann direkt über die Transportschiene von außen geladen werden. Der Geschosstransporter wird nicht genutzt.

Bei Ausfall der elektrischen Anlage muss die Muskelkraft der Besatzung den Geschosstransporter bewegen. Die Transportschiene kann nicht genutzt werden und muss durch eine Rollenbahn und Wippe ersetzt werden. Der Geschossübergabearm kann per Hand angesetzt werden.

Um Ladetätigkeiten im Turmtrainer zu üben, steht darüber hinaus Exerziermunition zur Verfügung. Ebenfalls verfügbar sind Übungsgeschosse mit einem geringeren Gefahrenbereich. Die lichtblau markierten Granaten sind mit einer zylindrischen Deutladung versehen und entsprechen in der Blitz- und Rauchentwicklung der scharfen Sprengmunition. Beim Aufschlag erzeugen sie einen geringeren Detonationsknall.

Waffenpositionierungsanlage 

Das Waffensystem der PzH 2000 verfügt über eine hohe Genauigkeit. Die Abweichung beträgt lediglich eine Bogenminute. Diese Genauigkeit wird durch die Kombination verschiedener Systeme erreicht. Durch die Daten eines Wettertrupps, der Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Luftdruck und Windgeschwindigkeit misst, und der Pulver- und Rohrtemperatur kann eine sehr präzise Feuerleitlösung berechnet werden. Um die Lage im Raum festzustellen, verfügt das Fahrzeug über folgende Systeme:

  • GPS: Mit Hilfe eines militärischen GPS-Empfängers vom Typ AN/PSN-11 PLGR (Precision Lightweight GPS Receiver), der im Fahrzeug eingebaut und an eine Außenantenne angeschlossen ist, kann die genaue Position des Fahrzeugs inklusive der Höhe über NN ermittelt werden.
  • Kurs-Lage-Gerät: Bei dem Kurs-Lage-Gerät handelt es sich um ein Trägheitsnavigationsgerät, das aus drei Laserkreiseln besteht. Während des Marsches dient es als Unterstützung zum GPS. In der Feuerstellung stellt es die absolute Lage des Rohres im Raum fest, wodurch auch bei starker Verkantung des Fahrzeugs geschossen werden kann.
  • Weggeber: Der Weggeber misst anhand der Kettenbewegung, welche Entfernung das Fahrzeug zurückgelegt hat.
  • V0-Messgerät: Das V0-Messgerät besteht aus einem Dopplerradar, das die Geschwindigkeit der Geschosse nach dem Verlassen des Rohres misst. Die so gewonnen Daten aller Schüsse werden bei den Berechnungen für den nächsten Schuss mit einbezogen.

Aus all diesen Daten errechnet das Führungssystem ADLER (Artillerie Daten-Lage-Einsatz-Rechnerverbund) oder der Feuerleitcomputer MICMOS 32/MICMOS 2000 (Panzerhaubitze 2000/Panzerhaubitze 2000 A1) der Panzerhaubitze selbst eine Feuerleitlösung.

Optische Zieleinrichtungen

Beim Ausfall der Waffenrichtanlage kann der Richtkanonier auf das Rundblickperiskop PERI-R19 mod zum indirekten Richten zurückgreifen. Damit erfolgt die Festlegung auf die Grundrichtung und das Einrichten beziehungsweise Einstellen auf das Ziel in Strich. Die auf der Turmoberseite neben der Waffenwiege angebrachte Optik verfügt über eine vierfache Vergrößerung. Bei der Zielbekämpfung im direkten Richten wird das etwas weiter nach unten versetzte Panzerzielfernrohr TN 80 mit achtfacher Vergrößerung genutzt. Die Sichtlinie des fest eingebauten Zielfernrohrs entspricht dem der Hauptwaffe; das Zielfernrohr verfügt über einen Restlichtverstärker für den Nachteinsatz.

Für den Kommandanten steht das Rundblickperiskop PERI-RTNL 80 zur Verfügung. Die nichtstabilisierte Optik dient zur Gefechtsfeldbeobachtung und beim direkten Richten durch den integrierten Gallium-Arsenid-Laser zur Entfernungsmessung. Das durch Carl Zeiss Optronics – aufgrund des knappen Etats des Auftragsgebers – als Billigvariante[9] entwickelte PERI verfügt am Tag über eine zwei- bis achtfache Vergrößerung und in der Nacht über eine 1,2- bis 4,8-fache Vergrößerung. Die nutzbare Reichweite des Lasers beträgt 2800 m.

Antrieb und Laufwerk 

Das Fahrzeug wird von einem MTU 881 Dieselmotor mit Abgasturbolader und Ladeluftkühler angetrieben. Der Motor wurde vom Triebwerk des Leopard 1 abgeleitet und entwickelt eine Leistung von 1000 PS. Im Gegensatz zu seinem Gegenstück aus dem Leopard ist der Motor nicht vielstofffähig. Er befindet sich auf der linken Seite der Wanne und saugt die benötigte Luft über Einlassöffnungen auf der Oberseite der Wanne an. Die Abgase werden seitlich an der linken Seite der Wanne ausgestoßen. Der Hubraum beträgt 18,3 Liter, das maximale Drehmoment 3000 Nm bei 2000 U/min. Der Motor verleiht der Panzerhaubitze etwa die Beweglichkeit eines Kampfpanzers. Auf der Straße werden Geschwindigkeiten von bis zu 62 km/h erreicht, im Gelände von bis zu 45 km/h. Die Kraftstoffversorgung erfolgt aus zwei unterschiedlich großen Tanks in den Wannenseiten, die Gesamtkapazität beträgt 1000 Liter. Die Kraftübertragung erfolgt über ein automatisches HSWL 284-C Getriebe von Renk, das über vier Vorwärts- und zwei Rückwärtsgänge verfügt. Motor und Getriebe sind in einem Block zusammengefasst, was den Austausch wesentlich erleichtert.[10] Im linken Heck wurde ein Stromerzeugungsaggregat mit einer Leistung von 1,9 kW verbaut, um die Stromversorgung in der gedeckten Aufstellung aufrecht zu erhalten.

Bei den Antriebskomponenten und Laufwerksteilen wurde teilweise auf die bewährte Technik der Leopard-1- und Leopard-2-Panzerfamilie zurückgegriffen. Die gummigepolsterten Laufrollen der Serie stammen so zum Beispiel vom Leopard 2. Das aus sieben Laufrollen auf jeder Seite bestehende Fahrwerks federn Torsionsstäbe, die über Schwingarme mit den Laufrollen verbunden sind.[6] Als Gleiskette dient die Verbinderkette Diehl DST 840 E0.

Gewässer bis zu einer Tiefe von 1,1 m können ohne Vorbereitung durchwatet werden, mit eingeschalteter Tauchhydraulik lassen sich auch bis zu 1,5 m tiefe Gewässer durchqueren.

Technische Daten

BezeichnungPanzerhaubitze 2000
Typ: Panzerhaubitze
Besatzung: 3–5
Motor: MTU 881 Ka-500, wassergekühlter 8-Zylinder-Dieselmotor
Leistung: 735 kW (1000 PS) bei 2300 1/min
Getriebe: Hydromechanisches Schalt-, Wende- und Lenk-Getriebe Renk HSWL 284-C mit 4 Vorwärts- und 2 Rückwärtsgängen
Fahrwerk: drehstabgefedertes Stützrollenlaufwerk
Länge über alles: 11.669 mm
Breite über alles: 3580 mm
Höhe über alles: 3460 mm
Bodenfreiheit: 440 mm
Watfähigkeit: 1500 mm (mit Tauchhydraulik)
Grabenüberschreitfähigkeit: 3000 mm
Kletterfähigkeit: 1000 mm
Steigfähigkeit: 60 %
Querneigung: 30 %
Gefechtsgewicht: 55.800 kg
57.660 kg (mit Dachschutz)
Höchstgeschwindigkeit Straße: 67 km/h
Höchstgeschwindigkeit Gelände: 45 km/h
Kraftstoffmenge: 1000 Liter
Reichweite: 420 km
Bewaffnung: 155-mm-Haubitze L/52, 1 Maschinengewehr
Munition: 60 Geschosse und 48 Beuteltreibladungen oder 288 Treibladungsmodule

Einsatzprofil

Die PzH 2000 ist durch die lange Entwicklungszeit primär für die Bedrohungslage des Kalten Krieges konzipiert worden. Sie sollte in der Lage sein, motorisierten Verbänden zu folgen, schnell in Stellung zu gehen und nach der Ausführung des Feuerauftrages schnell die Stellung zu wechseln, um feindlichem Gegenfeuer zu entgehen. Diese so genannte „shoot and scoot“-Fähigkeit (dt.: Feuern und abhauen) sorgt dafür, dass die eigenen Feuerstellungen nahezu unmöglich mit Gegenfeuer wirksam bekämpft werden können. Sie sollte den hochbeweglichen Panzerverbänden folgen können, um jederzeit für Feuerunterstützung gegen weiche bis harte Ziele bereit zu stehen. Die Panzerung sollte gleichzeitig den Feuerkampf auch unter feindlichem Beschuss ermöglichen. Die Feuerleit- und Positionsbestimmungsausrüstung ermöglicht den einzelnen Fahrzeugen ein hohes Maß an Autonomie. Feuerstellungen sind prinzipiell nicht mehr notwendig, es kann aus jeder beliebigen Stellung geschossen werden.[11] Die Unterstützung durch eine Feuerleitstelle ist ebenfalls nicht mehr erforderlich. Das Einsatzprofil sieht vor, dass ein Zug (vier Geschütze) in einer getarnten Stellung (der so genannten gedeckten Aufstellung) auf ein Feuerkommando wartet. Bei Eintreffen eines solchen per Datenfunk fahren die Geschütze aus der gedeckten Aufstellung, führen das Feuerkommando aus und beziehen eine neue gedeckte Aufstellung. Der Zeitraum vom Empfang des Feuerkommandos bis zum Verlassen der Stellung nimmt maximal 90 Sekunden in Anspruch.[12]

Bei der Bundeswehr ist die PzH 2000 in den Panzerartilleriebataillonen der Brigaden eingesetzt. Hauptaufgabe ist die Feuerunterstützung der eigenen Kampftruppen und der Kampf mit Feuer in der Tiefe gegen Hochwertziele wie Gefechtsstände in der Verantwortung der Brigade. Die kleinste taktische Einheit ist der Zug, der aus vier Haubitzen, einem Zugführer MTW M113 und einem Feuerleit-MTW besteht. Zur Verteidigung gegen Bedrohungen im Nahbereich wird die Hauptwaffe im direkten Richten eingesetzt. Die größte Ladung erreicht eine Mündungsgeschwindigkeit von etwa 1000 m/s. In Duellsituationen ist die Panzerhaubitze Kampfpanzern jedoch klar unterlegen, da sie nicht in der Lage ist, aus der Bewegung den Feuerkampf zu eröffnen.[13]

Einsätze

Ihre ersten Kampfeinsätze bestritt die PzH 2000 in Afghanistan während der Operation Medusa und der Schlacht von Chora in der südafghanischen Provinz Kandahar, bei der drei niederländische Haubitzen die Streitkräfte der Koalition unterstützten. Während der Operation Medusa wurden über 4000 Granaten verschossen. Während der Schlacht von Chora zeigte sich, dass die von den Panzerhaubitzen bereitgestellte Feuerunterstützung in Verbindung mit Luftnahunterstützung sehr effektiv war. Ziele konnten wirksam bis in 42 km Entfernung bekämpft werden.[14]

 

Nutzerstaaten

Neben der Bundeswehr, die ursprünglich 185 Haubitzen beschaffte, befindet sich das Geschütz noch in drei weiteren europäischen Armeen im Einsatz. Die Bundeswehr unterhält aus Kosten- und Bedarfsgründen nur noch 153 PzH 2000 A1.[15] Das Fahrzeug wurde von den Streitkräften Schwedens, Finnlands, Norwegens, der Türkei und Australiens getestet. Jedoch entschieden sich bis auf Australien, dessen Entscheidung noch aussteht, alle Länder gegen eine Einführung der Panzerhaubitze 2000.

Niederlande

Die Niederlande entschieden sich 2002 für die Beschaffung von 57 Geschützen. Die PzH 2000 konnte sich gegen drei Mitbewerber, die britische AS90, die amerikanische M109A6 Paladin und die südafrikanische G6-52 durchsetzen. Ursprünglich sollten die Fahrzeuge von 2004 bis 2009 ausgeliefert werden. Da die niederländischen Streitkräfte jedoch einer umfassenden Reorganisation unterzogen wurden, sank der Bedarf auf 39 Fahrzeuge. Von diesen befinden sich aktuell nur 24 im aktiven Dienst.[16]

Griechenland

Griechenland entschied sich im Jahr 2001 für die Panzerhaubitze 2000. Insgesamt wurden in den Jahren 2003 und 2004 24 PzH 2000HEL an die griechischen Streitkräfte geliefert. Die PzH 2000HEL verfügt über eine zusätzliche Nachtsichtoptik für den Fahrer und eine digitalisierte Datenfunkanlage. Weiterhin fehlt das Stromerzeugungsaggregat; der Tarnanstrich folgt einem anderen Schema als bei den übrigen Nutzerländern. Die Beschaffung weiterer Fahrzeuge ist angedacht.[17]

Italien

Italien war der erste Exportkunde für die PzH 2000. Insgesamt sollen 70 Geschütze beschafft werden. Die ersten beiden Fahrzeuge wurden von Krauss-Maffei-Wegmann geliefert, alle weiteren werden vom Firmenkonsortium aus Iveco, Fiat und Oto Melara gefertigt. Die Produktion soll bis März 2010 abgeschlossen sein.[17]

Zukunft und Weiterentwicklung

Krauss-Maffei Wegmann arbeitet seit 2005 an einem luftverladbaren Artillerie-Geschütz-Modul (AGM). Dieses Waffensystem, bestehend aus dem Turm der PzH 2000 und dem Kettenfahrgestell des MLRS-Raketenwerfers, soll so wie der Schützenpanzer Puma im Airbus A400M transportiert werden können. Die Weiterentwicklung dieses Geschützes, das den Namen Donar trägt, wurde im Jahr 2008 vorgestellt.

Der Geschützturm der Panzerhaubitze 2000 wurde im Rahmen des MONARC-Konzepts zur Erprobung der Möglichkeit der Einführung eines neuen Marine-Schiffsgeschützes auf zwei Schiffen der Sachsen-Klasse (F124) getestet. Auf die Einführung wurde aus technischen und politischen Gründen verzichtet; stattdessen wird das Marinegeschütz 127/64 Lightweight von Oto Melara eingesetzt.

Am 18. April 2006 feuerte die Panzerhaubitze 2000 in der Nähe von Alkantpan (Südafrika) im Rahmen einer Schießkampagne des Bundesamtes für Wehrtechnik und Beschaffung (BWB) ein Artilleriegeschoss über eine Entfernung von 56 km. Die von Denel hergestellte reichweitengesteigerte V-LAP-Munition ist eine Kombination von Base Bleed und Raketenantrieb und zündet nach dem Abschuss einen kleinen Raketenmotor, um damit bremsende Luftwirbel zu glätten und das Geschoss weiter zu beschleunigen. Die V-LAP-Munition kann ohne Anpassungen der Waffenanlage genutzt werden.

Oto Melara entwickelt derzeit eine Variante der Vulcano-Munition im Kaliber 155 mm für die PzH 2000 der italienischen Armee; mit ihr könnten Reichweiten über 100 km erreicht werden.

Quelle: Wikipedia

Das Typendatenblatt zur PzH 2000 finden Sie hier.

Ein Video über die PzH 2000 bei der Zielbekämpfung in Afghanistan, zu sehen auf youtube:

 

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